"Dem Leser sollte der Atem stocken"

Von unserem Redaktionsmitglied Harald Fingerhut

Tauberbischofsheim. Eine Mehrfachmörderin, die es immer wieder schafft, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen: Mit bewusstem Kalkül verzichtet Autor Henry J. Evans in seinem Erotik-Thriller um die nymphomane Lehrerin Yvonne auf den Sieg der Gerechtigkeit. Der Sozialpädagoge, der im Jugendamt des Main-Tauber-Kreises arbeitet, hat seine Romantrilogie beendet. Seit kurzem ist das jüngste Buch "Lustvoller Mord" auf dem Markt.

Henry Evans hat sich Zeit gelassen, die Trilogie zu vollenden. Nach "Tödliche Gelüste" 2005 und "Mörderische Lust" 2007 hat er den Titel und vor allem den Inhalt noch einmal gesteigert, ist noch zynischer und sarkastischer, aber auch erklärender. "Lustvoller Mord" ist das jüngste Buch überschrieben, in dem die Heldin Yvonne nach so manchem sexuellen Abenteuer rund um Stuttgart nicht zimperlich ist und wie die "Schwarze Witwe" unter den Menschen den Gespielen oder auch die Gespielin nicht am Leben lässt. Gleich ein Dutzend Mal schlägt sie zu und ist bei der Wahl ihrer Methoden nicht sehr zurückhaltend.

Die Brutalität bei der Erotik, aber auch bei den Morden habe sich in den drei Bänden gesteigert, sagt der 51-Jährige Brite, der seit 25 Jahren in Franken lebt. Während die Protagonistin im ersten Band mehr aus Zufall morde, verbinde sie im letzten Band Lust und Befriedigung beim Töten. "Es wird klar, dass sie eine völlig gestörte Persönlichkeit hat." Enorm intelligent, an der Grenze zur Hochbegabung, mit schizophrenen Zügen, kaltblütig, emotionslos und narzisstisch: So beschreibt sie der Autor. Unscheinbar nach außen, im Kopf aber von Sex und immer mehr von Habgier getrieben, die sie zu weiteren Morden verleitet. "Yvonne ist eine Triebtäterin, die über Leichen geht", sagt Evans über die Hauptperson seines Buches, das "Sex and Crime" verbindet. Und sie nehme sich Freiheiten, wie sie oft nur Männern "gewährt werden", etwa beim Fremd gehen. Ein zentraler Punkt des Werkes sei daher auch die Beziehung von Yvonne zu ihrem Mann David, einem Polizisten, der - ohne es zu wissen- Nutznießer ihrer Morde wird. Gerade mit dieser Liebesbeziehung habe er sich lange auseinander gesetzt, sagt Evans.

Der Würzburger hat sich explizit für eine Frau als Protagonistin entschieden, aus deren Sicht er schreibt. So könne er sich besser von der handelnden Person lösen, gängige Klischees, die es vielfach gibt, einfach umkehren. Und auch die extreme Darstellung von Erotik und Gewalt, zu der Yvonne bereit ist, aber die sie auch durch sexuellen Missbrauch selbst erfahren hat, war kalkuliert. "Dem Leser sollte der Atem stocken." Denn trotz manch literarischer Übertreibung passierten solche Situationen nicht nur in Filmen, die er gedanklich einfach weiter "spinnt", sondern immer wieder auch im realen Leben. "Ich wollte aufzeigen, wohin Erotik in Grenzbereichen führen und welche Auswirkungen diese Handeln haben kann."

Mit seinem beruflichen Alltag im Jugendamt oder mit seinem Leben habe die fiktive Geschichte rein gar nichts zu tun, wehrt der in Finnland geborene Evans klar ab.

Aber das extreme Handeln seiner Protagonistin sei nicht aus der Luft gegriffen. Und ohne das Fachwissen aus Studium und Berufserfahrung hätte er die Bücher so nicht schreiben können. Viele wissenschaftliche Aspekte hat der Vater einer Tochter ausführlich recherchiert.

So sieht er seine Bücher nicht nur als Erotik-Thriller mit Unterhaltungswert, sondern als Studie einer Soziopathin. Dem Sozialpädagogen ist wichtig, dass die Leser das "Warum ihres Tuns" auch aus psychologischer Sichtweise erfahren und verstehen können. Über Gespräche seiner Heldin mit einer Polizeipsychologin lässt er so geschickt immer wieder die wissenschaftliche Theorie, wie schon in den beiden anderen Büchern, mit einfließen. Und er setzt sich mit kriminologischen und juristischen Aspekte auseinander, mit der Entstehung von Gewalt und Mord.

"Bücher, die allen gefallen, will ich nicht schreiben", sagt Evans selbstbewusst. Und er hat schon Ideen für neue Werke. Ein Ökothriller schwebt ihm vor, wieder aus der Sicht einer Frau.

Erhältlich ist der erotische Thriller "Lustvoller Mord" von Henry J. Evans bei Books on Demand, www.bod, 288 Seiten, 17,90 Euro, ISBN 978-3-842352728. Weitere Informationen gibt es unter www.toedlichegelueste.de

Fränkische Nachrichten

25. Juni 2011

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